Umweltbelastungen im Honig

Honig unterliegt wie alle Lebensmittel den Einflüssen der Umwelt.

Die Nachrichten über GVO-Pollen und Insektizide haben Honigkonsumenten natürlich verunsichert - wie "sicher" ist Honig?

Zunächst ist festzuhalten daß viele Umweltgifte eher fettlöslich sind und sich daher eher im Wachs anreichern als im Honig. Zudem unterliegt Honig auch eines größeren Umsatzes im Bienenvolk (d.h er wird oft umgelagert und schnell verzehrt) und lagert nicht lange in den Waben - daher ist die Zeit zur Aufnahme eventueller Belastungen auch wesentlich geringer.

Welche Belastungen werden im Allgemeinen genannt?

Clostridium botulinum

Immer wieder zu lesen: Babys unter einem Jahr sollten keinen Honig bekommen. Hintergrund ist daß je nach Studie in etwa 7 bis 8 % aller untersuchter Honigproben dieser Erzeuger des gefürchteten "Botox"-Toxins gefunden wurde - wobei die Herkunft nicht ganz geklärt ist. Das Bakterium selbst kann nämlich nur unter anaeroben, also sauerstofffreien Bedingungen überleben weshalb es z.B. in Konservendosen eine gefürchtete Verseuchung darstellt. Es wird vermutet, daß die Bienen beim Blütenbesuch den Erreger mit aufnehmen und eintragen.

Leider wird durch die Berichterstattung der Eindruck erzeugt, dieses Bakterium sei immer im Honig enthalten oder würde dadurch besonders gut übertragen - das ist falsch.

Generell ist jedes luftarm verpackte Lebensmittel, das roh verzehrt wird, ein Risikolebensmittel. In der Regel sterilisieren die Produzenten Verpackungen und Inhalt wodurch die Sicherheit erhöht wird aber die Qualität des Lebensmittels beeinträchtigt wird. Bei Honig findet dieser Prozeß nicht statt - zum einen weil der Honig nachweisbar unter einer solchen Behandlung qualitativ leidet und zum anderen weil Honig gerade kein "Risiko-Lebensmittel" ist. Aufgrund des hohen Zuckergehaltes, der bieneneigenen Enzyme und des geringen Wassergehaltes können die meisten schädlichen Erreger - ob Pilze oder Bakterien - Honig nicht erfolgreich besiedeln oder überdauern. Honig findet daher auch zunehmend in der Medizin Anwendung, z.B. bei der Wundbehandlung schlecht heilender Wunden.
Clostridium kann in diesem Umfeld jedoch überleben (ein Grund warum Honig in dieser medizinischen Anwendung sicherheitshalber sterilisiert wird) wenn er den Weg in den Honig schafft.
Da gerade nun Honig ohne vorherige Erwärmung verzehrt wird findet ein Abtöten des Erregers, was durch simples Erhitzen auf min. 80°C erreichbar wäre, nicht statt. Säuglinge haben noch eine empfndliche Darmfauna, die durch Clostridium verdrängt werden kann. Daher ist Sauberkeit bei der Säuglingsernährung - insbesondere wenn mit der Flasche gestillt wird - sehr wichtig; gerade wenn vorher im Garten gearbeitet wurde.

Seit 1976 wurden weltweit rund 1000 Fälle von Clostridium-Infektionen bei Säuglingen registriert; die meisten davon in den USA wobei die Infektionsquelle in der Regel nicht ermittelt werden konnte. 1993 wurde der erste europäische Fall publik gemacht, der nachweislich auf Honig zurückzuführen war (Eur. J. Epidemiol. 0392-2990, November 1993, p. 671-673).

Die Gefahr einer Clostridium-Infektion durch Honig wird jedoch relativiert wenn man z.B. aus einer Dissertationsarbeit erfährt daß 6 von 8 positiv auf den Erreger getestete Nahrungsmittel verarbeitete Säuglingsnahrung und eben nicht Honig darstellen - Kartoffelpüree, Getreideflocken und Gemüsebreie, die zum Verzehr in der Regel ebenfalls nur gering erwärmt werden. Offenbar schafft es der Erreger also auch in die Produktionskette wie es z.B. bei der Verarbeitung unterirdischer Pflanzenteile wie Kartoffeln und Mohrrüben zu vermuten ist.

Zur Beruhigung aber: Untersucht wurden insgesamt 46 Honig- und Säuglingsnahrungsproben aus Deutschland und von den nur 8 auffälligen Proben waren alle trotz der Sporenbelastung nicht in der Lage, Versuchstiere zu infizieren (wie das bei Babys aussieht weiß man natürlich nicht...)

Daher also gilt generell: sauerstofffrei eingedostes "Fertigfutter" und andere kommerziell luftdicht konservierte Ware sollte immer gut aufgekocht werden wenn man Sorge vor Infektionen mit diesem Erreger hat - bei Honig wie aber auch anderen Lebensmitteln wird man dann aber erhebliche Abstriche in der Qualität hinnehmen müssen. Und weder Schnuller noch Honig braucht ein Säugling zwingende im ersten Lebensjahr!

Die Dissertation zum Nachlesen: http://webdoc.sub.gwdg.de/diss/2006/vu/

Pollen aus gentechnisch veränderten Pflanzen ("GVO-Pollen")

Das Urteil des Europäischen Gerichtshof hat es auch dem Verbraucher klar gemacht: Selbst mit Bio-Label ist der Importhonig aus dem Discounter nicht sicher GVO-frei. Insbesondere Rapshonig aus Kanada und Honige aus Südamerika gelten oft als GVO-belastet. Eine Untersuchung von ÖKOTEST vom Januar 2012 ergab, daß auch in "garantiert gentechnikfreien" Honigen aus dem Bio-Handel GVO-Pollen gefunden wurden. In deutschen Honigen ist aber kaum etwas zu finden - das liegt schlichtweg daran, daß GVO-Anbau in Deutschland kaum verbreitet ist. Das Standortregister (siehe Weblinks) zeigt, daß es kaum Anbauflächen gibt. Das ist im Ausland durchaus anders und so landet mit dem Honigimport auch der Pollen auf unserem Tisch.
Eine nachteilige Wirkung auf die Gesundheit ist bisher nicht erwiesen aber wer es dennoch nicht will - und sei es nur als Statement seiner Meinung - der sollte regionalen, deutschen Honig kaufen und keine Importe (auch keine "Mischung auf EG- und Nicht-EG-Ländern").

Pestizide aus der Landwirtschaft

Es ist eine Pest mit den Pestiziden - sie sind kaum zu umgehen, da viele in der Blütezeit angewendet werden und selbst am Abend gespritzte Blüten werden am Morgen noch genug aufweisen damit die Bienen das Zeug abholen und mit nach Hause bringen. Zum Glück sind die meisten Pestizide fettlöslich und lassen sich eher im Wachs nachweisen als im Honig - das Deutsche Bienenmonitoring untersucht daher auch das Bienenbrot, also den oft über lange Zeit in den Waben eingelagerten Pollen, um diese Belastung zu ermitteln und eben nicht den Honig. Also für den Honig weniger ein Problem; allerdings für die Bienen, die den belasteten Pollen an ihre Larven verfüttern.
Allerdings zeigt eine Diplomarbeit der Uni Wien aus dem Jahr 2010 dass in 75 % der 24 untersuchten Honigproben aus Süddeutschland Thiacloprid in Konzentrationen von 2 bis 110 μg/kg volagen da diese aus Imkerkreisen heftig kritisierten Pestizide hydrophil sind (Gina Tanner, Uni Wien: “Development of a Method for the Analysis of Neonicotinoid Insecticide Residues in Honey using LC-MS/MS and Investigations of Neonicotinoid Insecticides in Matrices of Importance in Apiculture”)

Im Süden Deutschlands gibt es immer wieder Probleme miit dem Antibiotika Streptomycin, das im Obstbau ausnahmsweise zur Bekämpfung des Feuerbrandes eingesetzt werden darf - der dadurch verseuchte Honig wird dann von den Bauern aufgekauft und vernichtet, im Jahr 2011 immerhin 9 Tonnen.

2016 sorgte mit Glyphosat-belasteter Honig aus dem Spreewald für Rauschen im Blätterwald - einzene Landwirte hatten die noch blühende Kornblume damit gespritzt um sie auszumerzen und bis das Gift wirkte, hatten die Immen den Nektar schon eingetragen.

Imkerei-bedingte Rückstände

Wer Mittelwände kauft weiß oft nicht was er da so alles mitkauft. Zig Imker verkaufen ihre Waben an die Händler, die sie zusammenschmelzen und in Mittelwände pressen...und der nächste Imker wird die daraus gebauten Waben wieder in den Kreislauf geben. Wachs ist praktisch "unsterblich" aber es reichert dabei auch vieles an was manche Imker manchmal eingesetzt heben.
So gab es Bienenabwehrmittel, Milbenmittel und anderes was durchaus legal anwendbar war (und teilweise noch ist). Diese Substanzen lassen sich noch nach Jahrzehnten im Wachskreislauf finden wie aktuelle Untersuchungen zeigen.
Zwar gehen die Belastungen zurück da immer mehr Imker auf die Anwendung von Perizin & Co. verzichten doch sind die Mittel noch nachweisbar. Allerdings in der Regel fast ausschließlich im Wachs - nicht im Honig!

Aus diesem Grund betreiben wir eine Naturbauimkerei mit nur einem minimalen Einsatz an Mittelwänden aus afrikanischem Wachs aus Naturvölkern zu denen wir eine chemische Vollanalyse bekommen - so wissen wir sicher daß dieses Wachs nicht durch zig Hände gegangen ist. Zudem werden davon nur Anfangsstreifen verwendet; den Rest müssen die Bienen selber machen. Gerade im Honigraum ist so nur reinweißes, selbst produziertes Wachs im Einsatz - beste Voraussetzung für beste Qualität!

Vor dem Hintergrund zunehmender Wachspanscherei wurde 2017 endlich der Wachskreislauf geschlossen und das eigene Entdeckelungswachs zu MIttelwänden umgearbeitet - so sind wir unabhängig von Importwachs.

Thymol, ein in den letzten Jahren in Mode gekommendes ätherische Öl zur Milbenbekämpfung, läßt sich manchmal in Honig erschnüffeln (ist das der Fall dann gilt der Honig als nicht mehr verkehrsfähig und darf nicht verkauft werden auch wenn das Thymoll als gesundheitlich unbedenklich gilt); es bindet jedoch auch hauptsächlich am Wachs. Thymol wird aber aufgrund dieser Wachsanreicherung bei uns ebenfalls grundsätzlich nicht eingesetzt.

Auch durch den Einsatz von Rauch können Verunreinigungen des Honigs entstehen; daher werden bei uns grundsätzlich keine Honigräume "beräuchert" um sie bienenfrei zu bekommen; der Honigraum wird stets vor dem Bearbeiten des Volkes abgenommen und bleibt so frei vom Qualm. Nelkenöl, das zur Bienenabwehr eingesetzt werden kann, kann man manchmal noch lange in den Völkern riechen und wird von uns daher nur sehr zurückhaltend und niemals bei der Bearbeitung des Honigraums verwendet.

Antibiotika dürfen in Deutschland nicht in der Imkerei eingesetzt werden - zum Glück! Sie lösen dort keine Probleme, sondern überdecken sie nur - daher ist eine solche Belastung in deutschen Honigen nicht zu erwarten. Allerdings gab es schon einen Importstopp für chinesischen Honig aus diesem Grunde - in anderen Ländern ist das nämlich durchaus üblich!

natürliche Pflanzengifte (Pyrrolizidin-Alkaloid)

In der Öffentlichkeit weit unbekannter ist das Problem natürlicher Pflanzengifte. Diese "Pyrrolizidin-Alkaloide" (PA) sind Bitterstoffe, die lebertoxisch und Erbgut-verändernd wirken wobei es bisher nur Erkenntnisse aus Tierversuchen über diese Effekte gibt.

Sie werden von tropischen wie einheimischen Pflanzen produziert. Zwar sind diese Giftstoffe eher im Pollen als im Nektar präsent doch sortenreine Honige können hohe Gehalte aufweisen. Heimische Pflanzen wie der Natterkopf (Echinum vulgare), Jakobs-Kreuzkraut (Jacobaea vulgaris), Wasserdost (Eupatorium cannabinum) und Borretsch (Borago officinalis) sind bekannte PA-Produzenten.

Allerdings bilden sie hierzulande nur selten und nur regional solche Mengen daß der Honig auffällig belastet wird. Aufgrund der intensiven Landwirtschaft bilden sich solche Ansammlungen dieser Ruderalbewohner einfach nicht aus; zudem sind andere Nektarquellen oft auch interessanter. Wie die Pollenanalyse unserer Honige verrät sind diese Pflanzen offenbar für unseren Standort kein Thema.

Honige aus Südeuropa (Spanien, Südfrankreich) können solche Probleme aufgrund der dortigen Vegetation eher solche Belastungen erreichen - leider reichern sich diese Substanzen auch bei der Weiterverarbeitung an so daß man auch bei Produkten mit Honigzuschlag (z.B. Backwaren mit Honig, Honigbonbons usw.) und vor allem in Teemischungern damit rechnen muß. Solche Substanzen werden auch nicht regelmäßig in Lebensmittelkontrollen überwacht.

Fazit

Honig ist daher ein vergleichsweise unbelastetes Lebensmittel - von Bienen und Wachs gefiltert ist er so rein wie die Natur es eben hinbekommt...anders als gespritzte Tafeltrauben oder Bakterien-belastete Sprossen.

Übrigens: Anders ist das beim "Bienenbrot", der von den Bienen eingelagerte Blütenpollen, der nach Untersuchungen des Deutschen Bienenmoitorings vielfältig belastet ist. In 90% aller Proben wurden Fungizide (Boscalid aus dem Rapsanbau) gefunden und über 50% mit Insektiziden...eine Folge unserer "modernen Landwirtschaft"!

 

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